© ProSieben
Kommentar zum "SdH"-Aus

Ende von „Schlag den Henssler“: Es lag nicht nur an Henssler!

25. September 2018 um 19:12 Uhr – Marcel Pohlig

Am Dienstagabend überraschte ProSieben erst mit einem Eilmeldungstweet, auf die unmittelbar eine Pressemitteilung folgte: „Schlag den Henssler“ ist vorbei. Einzig überraschend ist dabei, dass die bereits geplante Ausgabe sogar gestrichen wird. Alleine an Henssler lag der Flop allerdings nicht.

Nach dem Abschied von Stefan Raab war „Schlag den Star“ zwar immer unterhaltsam, doch ein fester Kontrahent fehlte. Vor einem Jahr schien es da wie die bestmögliche Lösung, als ProSieben und Brainpool Steffen Henssler gewinnen konnten und man gewissermaßen wieder zur Ursprungsidee von „Schlag den Raab“ zurückkehrte. Henssler bewies in „Grill den Henssler“ auf VOX einen unfassbaren Ehrgeiz, wer würde also besser passen? Das dachte ich vor einem Jahr auch noch, doch schnell musste ich lernen: Ich lag falsch. „Schlag den Henssler“ wirkte unausgegoren und Henssler oft verloren auf der Bühne, weil der Ehrgeiz verschwand, Lustlosigkeit übernahm – und er auch bei den Spielen nicht immer die beste Figur machte.

Das Aus von „Schlag den Henssler“ ist daher keineswegs überraschend und zeichnete sich bereits ab. Nur: Alleine an Henssler liegt es sicherlich nicht, dass „Schlag den Henssler“ gnadenlos gescheitert ist. Da würden es sich ProSieben und Brainpool nun etwas einfach machen, wenn man sich darauf ausruht, dass Henssler nun einsichtig – und in dieser Medienlandschaft ungewohnt selbstkritisch und offen – das Handtuch warf. Schon zu Raabs Zeiten war das Format nämlich schon lange nicht mehr so attraktiv, wie es in der Promo wirkte – weshalb ich auch da schon nicht mehr einschaltete.

Da wären auf der einen Seite die Spiele. Es gab nur noch wenige Spiele, die ein gewisses Kultpotential hatten. Die für ausreichend Spannung sorgten. Bei denen man mitfiebern und miträtseln konnte. Kurz: Bei denen man unterhalten wurde. Das liegt sicherlich auch an der Inflation an Sendungen, die an „Schlag den Raab“ angelehnt und mit allerlei kleinen wie großen Spielen gespickt sind. Es liegt meiner Ansicht nach aber auch an einer nachlassenden Formatliebe seitens der Macher. Und gerade zunehmende Langeweile ist eben kein Punkt, von der eine Show mit rund fünf Stunden Laufzeit profitiert. Im Gegenteil.

Ein großer Aspekt, der mich dann endgültig davon trieb, ist aber ein Vorwurf, der auch bei „Schlag den Raab“ schon lange gemacht wurde: Die Werbepolitik von ProSieben. Es ist logisch, dass ProSieben als privatfinanzierter Fernsehsender Werbung schalten muss und dazu hat man auch jedes Recht. Wie aber mit der Werbung umgegangenen wurde, das war zunehmend unerträglich. Wenn noch nicht einmal ein Spiel beendet wurde und es trotz allem schon wieder in die gefühlt ewig lange Werbepause ging, dann reißt irgendwann der Geduldsfaden. Und das wird bei einer Generation, die dank Netflix und Co. gerade an Werbefreiheit gewöhnt wird, nicht nur mich betreffen. Wenn dann erst noch ein Musikact läuft oder auf das Außengelände gelaufen werden muss, dann sind die Zuschauer eben einfach weg. Weil zu lange nichts passiert. Wieder Langeweile entsteht. Auch das hat dem Format massiv geschadet, schon zu Zeiten von „Schlag den Raab“ und massiv zunehmend bei „Schlag den Henssler“. Nicht umsonst war „Schlag den Star“ im Sommer deutlich interessanter. Nicht nur wegen der Promis, sondern auch, weil einfach mehr passierte, alles gestrafft war.

Ein anderer Punkt betrifft nicht nur „Schlag den Henssler“, sondern gilt generell für das deutsche Fernsehen: Brecht aus dem eigenen Universum heraus! Wer kein ProSieben sieht, bekommt gar nicht mit, dass „Schlag den Henssler“ überhaupt läuft bzw. lief. Ich habe erst am Sonntagmorgen dank der Meldung über die miese Quote überhaupt erfahren, dass schon wieder „Schlag den Henssler“ auf dem Programm stand.

Deshalb mein inniger Appell an ProSieben: Haltet bitte am noch immer schönen Format fest! Aber, liebes ProSieben, zurücklehnen und darauf ausruhen, dass jetzt der Protagonist aufgegeben hat, ist nicht!

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere