Werbung

Zu groß, zu fett, zu arm? Die Suche nach einem passenden Fahrrad

Vor einigen Jahren kaufte ich mir ein ganz simples Fahrrad vom Discounter. Ich in ein Jahrzehnt nicht mehr geradelt, also wollte ich erstmal testen, ob ich es überhaupt nutze, bevor ich mir einen teuren Drahtesel kaufe. Die Erfahrung lehrte: Ich nutze es sehr. Also war nun Zeit, ein ordentliches Rad zu finden. Für einen XXL-Menschen gar nicht so einfach – und bei so manchem Händler offenbar überhaupt nicht vorgesehen.

Ich bin fast zwei Meter lang, weshalb mein neues Trekking-Bike unbedingt auch einen richtig großen Rahmen braucht. Eine Ermessung ergab schnell, dass ich eine 64er Rahmengröße benötige – und sich das Angebot damit bereits sehr einschränkt. Auch wenn mir alle Welt immer sagt, dass ich nicht fett sei, gab es eine weitere Hürde: Es muss auch viel Gewicht halten, was die Auswahl noch einmal extrem einschränkte, da es zwar einige 64er Räder gibt, die in der Regel aber doch nur bis 120 kg (inklusive Eigengewicht) ausgelegt sind. Ein ziemlicher Quatsch, selbst bei meinem kleineren und nicht ganz so dicken Typen wäre damit bei etwas Reisegepäck ja schon die Grenze erreicht. Große Fahrräder werden offensichtlich vorwiegend für Magermodels gebaut.




Werbung

Zuerst sind wir nach Düsseldorf gefahren, wo ich mich bei Lucky Bike mal umsehen wollte und auch schnell bei der Probefahrt des Kalkhoff Agattu XXL HS 27 merkte, dass ein 64er Rahmen ein enormer Sprung für mich ist und ich dies einfach brauche. Ich bin noch nie so entspannt gefahren und fühlte mich so wohl. Auch die Beratung war wirklich gut, auch wenn ich den Vorteil von Hydraulik-Bremsen noch nicht verstanden habe (abgesehen von den höheren Wartungskosten, die es für einen Händler und die Radindustrie natürlich attraktiv macht). Aber ich wollte freilich nicht das erstbeste Rad nehmen, sondern mich nach Alternativen umschauen. Gab es in Düsseldorf aber nicht, also ging es weiter zu Fahrrad XXL nach Bochum (direkt am Prater).

Dort gab es, wenn man den Daumen nicht mitzählt, zumindest eine handvoll 64er-Trekkingräder. Leider waren die aber nicht für mehr Gewicht ausgelegt, weshalb sie schon ausschieden – und auch das Fahrerlebnis war damit nicht so super, was auch an den verbauten Scheibenbremsen lag, die ja schlicht überhaupt nichts tun, wenn sie nicht schon lange eingefahren sind. Katze im Sack kommt für mich aber nicht in Frage, denn große Räder sind leider an sich wegen der mangelhaften Auswahl ja schon teuer und dann muss ich sofort zufrieden und überzeugt sein. Ohne Kauf und mit Sorgenfalten, weil unter 700 Euro nichts machbar ist, ging es dann Samstag zunächst nachhause.

Im Internet suchten wir nach weiteren XXL-Rädern und fanden nicht wirklich viele Optionen. Es gibt von Raleigh noch das Oakland XXL und in Dortmund war dies sogar vorrätig. Also fuhr ich spontan am Montag noch zu Das Rad, wo ich auf einen freundlichen Mitarbeiter traf, der mir das Rad noch fix fertig montierte und mich Probe fahren ließ. Es war ein gutes Rad, aber ich fühlte mich nicht so gut wie auf dem Kalkhoff-Rad vom Samstag. Alternativen gab es auch hier nicht, also fuhr ich nach Wuppertal, wo ich bei Fahrrad Dickten in Barmen ebenfalls ein Rad testen konnte.

Bei Dickten half mir jetzt schon ein bisschen die eigene Erfahrung durch die Probefahrten. Die Rahmengröße war klar und wurde auch von alten Händlern so eingeschätzt. Ich fand es besonders gut, dass ich hier nicht nur auf dem Parkplatz fahren durfte, sondern sogar auf den Straßen eine Runde drehen konnte. In der Zeit machte sich der Händler ein wenig über das Kalkhoff schlau – und empfahl mir, weil ich mit der Ein-Hand-Schaltung des Dickten-Rads nicht zurecht kam, auch dazu, dass ich mir doch das Kalkhoff holen solle. In der Werkstatt sei ich dennoch willkommen. Das fand ich sehr ehrlich und alleine deshalb würde ich für Reparatuen wirklich dorthin gehen. Denen ging es nicht nur ums Geld, sondern um Zufriedenheit.

Anders als beim letzten Händler, dem Zweirad-Experten in Elberfeld. Ich mag den Laden an sich schon nicht gerne, weil die Mitarbeiter reichlich arrogant rüberkommen, viel Eigenwissen verlangen und nicht erklären, und die Preise auch exobitant hoch sind. Aber die XXL-Auswahl ist halt nicht so groß, da muss ich auch dort mal nachschauen. Was soll ich sagen? Ich musste mich für mein Gewicht rechtfertigen, weil ich halt das Gewicht eines Elefanten habe, nicht aber das Volumen. Dass ich ein 64er-Rad brauche – wie es alle Händler gleich sahen – war ohnehin Quatsch, ein 60/61er würde doch vollkommen ausreichen und auch die würden sie ja schon nicht verkauft kriegen. Während alle Händler gleich eine Probefahrt anboten, durfte ich mich hier immerhin mal aufs Rad setzen, während der Händler das Vorderrad zwischen seine Beine klemmte. Wow. Als ich dann auch gleich sagte, dass ich mich nicht wohl fühle und merke, dass ich ein größeres brauche, wurde dies auf Befindlichkeiten geschoben. Das Kalkhoff XXL könne er mir aber bestellen – für 80 Euro mehr, weil der Hersteller die Preise anhob. Und ich sollte trotz des Aufschlags schließlich hier kaufen, weil ich sonst ja für Reparaturen immer nach Düsseldorf müsse. Seine Werkstatt werde das Fahrrad jedenfalls auf keinen Fall annehmen.

Das hat mir dann auch gereicht. Aber weil tatsächlich nur noch Bestände für 699 Euro verkauft werden, führte mich meine Reise Dienstagmorgen noch einmal nach Düsseldorf. Auch wenn das Geld dafür wirklich knapp war und ich mich jetzt erstmal einschränken muss: Ich habe den Laden strahlend mit einem neuen Rad verlassen und selbst meine spontane Jungfernfahrt von Hochdahl nach Wuppertal war super. Ich fühle mich auch bei Steigungen gut und habe sogar schon mein Jahresvorhaben – einmal Uni und vor allem auch wieder bergauf zurück – gemeistert. Dass das Rad am Donnerstag prompt mal Venlo sehen musste, versteht sich da von selbst. Einziges Manko neben dem Preis: Es ist schnöde schwarz lackiert. Aber bei einer mickrigen Auswahl auch noch ein fabriges Rad zu bekommen, das ist leider wirklich utopisch.

Werbung

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*