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Vom Sektor in den Westen: Tschö 1LIVE, Hallo WDR 2

© flickr.com: Irudayam (CC BY-ND 2.0)

Neulich sprach mich meine Mutter auf meinen Radiokonsum an. „Du hörst jetzt immer WDR 2, wie kommt’s?“. Das war dann wohl der Moment, an dem ich mich endgültig von 1LIVE verabschiedet habe.

Es war ein schleichender Abschied, der vom Westdeutschen Rundfunk auch irgendwie so gewollt war. Die Qualität bei 1LIVE ließ immer weiter zu wünschen übrig. Tolle Moderatorenduos wie Michael Dietz und Christian Terhoeven verabschiedeten sich und damit leider auch immer mehr der Anspruch. Sabine Heinrich ist weg. Die Lücke, die Domian hinterlassen hat, wurde nicht gefüllt. Vom klassischen 1LIVE ist abseits der Morgenstrecke nicht mehr viel übrig.

Der erste radikale Bruch für mich liegt dabei schon etwas länger zurück. Im Frühjahr 2015 hat 1LIVE seinen „Plan B“ in der bis dato bekannten Form sterben lassen. Weil bei mir auch abends häufig noch Radio im Hintergrund lief und ich es auch gerne gezielt beim Bruzzeln in der Küche einschalte, war das für mich ein großer Verlust. Statt kompetenter Moderationen und toller Musik, beschallt 1LIVE seine Zuhörer nun auch in den Abendstunden mit anstrengenden Doppelmoderationen, bei denen die Musik – wenn auch nicht so stark wie im Tagesprogramm – in den Hintergrund rückt. Noch viel schlimmer: Auch die Musik hat sich sehr verändert, der „Plan B“ spielte plötzlich gefühlt nur noch Hip Hop. Das war der erste Schritt vom Abschied, ich brauchte abends einen anderen Sender. Christiane Falk fehlt mir immens.




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Nun ist die Lage insbesondere in NRW ja nicht so einfach. Wirkliche Konkurrenz gibt es im UKW-Bereich nicht, für mich ist Radio aber auch nur bedingt ein Online-Medium – was alleine schon daran liegt, dass ich alle Geräte ersetzen müsste und es mir das nicht wert ist. Hier und da mal ein wenig SWR 3, auch Radio Wuppertal und WDR 2 – phasenweise unterschieden sich letztere beide gar nicht mehr großartig, was für WDR 2 alles andere als ein Kompliment ist.

Nun gab es auch im Tagesprogramm immer weniger Kontinuität bei 1LIVE. Die gewohnten Stimmen sind immer weiter verschwunden. Ich habe immer gezielter bei meinen Radios auch mal WDR 2 einprogrammiert – auch bei meinem Badradio, wo ich den Sender eigentlich nie gewechselt habe, weil es mir zu umständlich war. Hinzu kam, dass ich in den vergangenen Wochen sehr viel Zeit im Fahrschulauto verbracht habe und dort auch immer WDR 2 lief. So gewöhnte ich mich schrittweise an den Sender – und entdeckte viele bekannte Stimmen wieder; nicht nur im Unterhaltungsprogramm, sondern auch in den Infos Nachrichten in „WDR aktuell“. Als neulich auch das WDR-2-Programm reformiert wurde und der „Montalk“ eingestampft wurde, regte sich in mir sogar erstmals so etwas wie leichter Protest.

Willkommen bei 2LIVE

Insbesondere seit dieser Programmreform ist WDR 2 ohne großen Aufwand eigentlich so etwas wie ein zweites 1LIVE geworden. Natürlich, die Musikauswahl ist ein wenig anders und vielleicht auch nicht immer mein Geschmack. Aber vom Format her … statt vom „Sektor“ ist halt gefühlt gemütlich vom „Westen“ die Rede, die „Servicezeit“ ist das „1LIVE Pop“ für alte Menschen und die Comedy ist so schlecht, wie man es von einem Radioprogramm erwartet. Apropos „Pop“: So heißt jetzt ja auch die neue Abendsendung von 2LIVE WDR 2, moderiert unter anderem von 1LIVE-Urgestein Mike Litt. Als bei 1LIVE Verlorengegangener fühle ich mich immer mehr bei WDR 2 zuhause, auch wenn dort natürlich auch alles auf kleiner Flamme gekocht wird und mir niemand den alten „Kultkomplex“ bzw. „Plan B“ zurückgeben kann.

Hinzu kommt, dass mir auch die ein oder andere noch bei WDR 2 verbliebene Stimme zusagt. Ich bin erstaunt, wie gut sich Marco Schreyl vor dem Mikro schlägt und höre ihm mittlerweile gerne zu. Auch Steffi Neu ist am Wochenende eine gute Begleitung in den Arbeitstag. Positiv überrascht bin ich von der Vorabendsendung mit Jörg Thadeusz, der ja ohnehin ein grundsympathischer Geselle ist. Ich schätze das Format der Eins-zu-eins-Gespräche, die es im Fernsehen ja leider kaum noch gibt. Schade ist bei WDR 2 nur, dass ich hier oben in Wuppertal-Cronenberg „meine“ „Lokalzeit“ nur schwer rein bekomme.

Och nö, ist der auch tot?

Der Wechsel zu WDR 2 führt auch zu kleinen Kuriositäten. In meinem Kopf spricht eine charmante Frauenstimme vor Beginn der Werbung noch immer „Reklame“. Und weil WDR 2 ja auch viele alte Menschen anspricht, laufen dort auch hier und da mal ein paar ältere Lieder, die ich so nicht mehr auf dem Schirm habe – und nach der Sterbewelle im vergangenen Jahr immer erst einmal mit einem Todesfall, zu dem in meiner bisherigen Wahrnehmung bislang nur alte Hits hervor geholt wurden. Unter anderem Elton John ist in meinem Kopf so schon einmal für ein paar Sekunden gestorben – erfreut sich aber natürlich bester Gesundheit.

Das alte Radiogefühl kann mir auch WDR 2 nicht geben, dafür richtet sich der Sender einfach an ein viel zu breites Publikum und es ist immerhin ja auch ein Produkt des WDR, der in den vergangenen Jahren ja eigentlich an allen Stellen, auch im WDR Fernsehen, immer mehr weichgespült wurde. Das „Mittagsmagazin“ wirkt wie ein Fremdkörper, erst recht, wenn es um halb 3 noch immer läuft. Die Musikauswahl könnte peppiger sein und der Sonntagabend wirkt, das ist aber auch bei 1LIVE so, wie von einem anderen Sender. Aber WDR 2 ist mittlerweile eine angenehmere Alternative in der kleinen Radiowelt in NRW.

Nur eines nervt immens: Die hohe Fußballpenetration, für die man auch ein Wortprogramm wie WDR 5 nehmen könnte. Aber damit bin ich ja recht alleine – und werde mit dem Start der neuen Saison (wobei ja irgendwie immer irgendwie was ist) vielleicht auch wieder öfter rückfällig werden und den Regler zu 1LIVE drehen. Dank Menschen wie Philipp Isterewicz besteht auch dort ja immerhin ein wenig Hoffnung.

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