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VIVA forever? Der schleichende Abschied eines Jugendsenders

© Logo: VIVA

Es ist im Medienbereich wahrscheinlich die Meldung des Wochenendes: Viacom baut wieder um und streicht VIVA kräftig zusammen. Derzeit noch rund um die Uhr auf Sendung, reicht es ab Oktober gerade mal noch für ein elfstündiges Fenster auf Comedy Central. Die Tage des einstigen Musiksenders scheinen gezählt …

Nickelodeon sendet künftig wieder rund um die Uhr, während Comedy Central auf dem bisherigen VIVA-Sendeplatz dann schon um 17:00 Uhr das Ruder übernehmen darf. Gerade letzteres ist eigentlich sehr erfreulich, da Comedy Central eigentlich gar keine so schlechten Formate hat – nur eben nicht viel Sendezeit. Nur VIVA, das eigentlich zum Vorzeigesender werden und als Schaufenster zur Viacom-Welt senden sollte, leidet nun massiv unter dem Schritt. Das ist eigentlich nicht verwunderlich, da kaum noch ins Programm investiert wurde. Einen angekündigten Nachfolger für „MTV Home“ und „VIVA Live“ gab es nie, die übrigen Formate wurden so sehr zusammengestrichen, dass sich eine handvoll Moderatoren nur noch die „Top 100“ teilen kann. Dass „Game One“ seit einiger Zeit auch auf Comedy Central läuft, erklärt sich seit gestern auch. Ein Abschied auf Raten, der sich nun fortsetzt.

Ich persönlich bin nämlich nicht davon überzeugt, dass es bei dem Schritt im Oktober bleiben wird. Comedy Central ist in meinen Augen schon länger die deutlich stärkere Marke, in die wenigstens ansatzweise investiert wird. Sei es nun der Output-Deal mit NBC aus dem vergangenen Jahr oder auch „Fat for Fun“ als Eigenproduktion. Klar, das ist noch lange nicht so viel wie beim ambitionierten Deutschlandstart von Comedy Central. Aber erwartet das ernsthaft noch jemand von Viacom?




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Ansprechen soll VIVA ja eigentlich die Millenials – die größtenteils mittlerweile berufstätig sein sollten und somit das eingedampfte VIVA gar nicht mehr sehen dürften. VIVA soll außerdem im Internet gestärkt werden – Phrasen wie sie oft kommen und nur selten gehalten werden. Auch wenn Magnus Kastner wieder regionale Zuständigkeiten schaffen will: Letztlich ist Viacom noch immer international, letztlich ist er noch immer für das gesamte Nordeuropa-Geschäft zuständig. Und mit dieser Perspektive sieht es für VIVA alles andere als rosig aus.

Der Musiksender „The Box“ in den Niederlanden wurde bereits kurz nach der Übernahme der VIVA Media AG durch MTV Networks, heute Viacom, zu einen Comedy-Sender umgestaltet. Im Jahr 2007 wurde daraus dann das niederländische Comedy Central. 2011 teilte sich das niederländische Comedy Central dann den Sendeplatz mit TMF – ebenfalls ein Musiksender, der einst eigenständig war, 2002 aber von MTV übernommen wurde. Dort sendete Comedy Central dann immer ab 15:00 Uhr, TMF musste nach einigen Monaten komplett dem Kindersender Kindernet weichen. 2013 endete dann auch Kindernet und Comedy Central konnte rund um die Uhr senden. TMF verschwand komplett aus den Niederlanden, die digitalen Ableger wurden durch bekannte MTV-Kanäle ersetzt.

In Großbritannien wurde TMF bereits abgeschafft und zu VIVA umgewandelt – dort funktioniert das Schaufenster-Konzept allerdings wenigstens: Alle übrigen Viacom-Kanäle sind Bezahlsender, nur VIVA sendet frei empfangbar. In Australien endete TMF bereits vor vier Jahren. Und auch in Belgien, dem letzten Markt mit einem TMF, scheinen die Tage von TMF angezählt zu sein – zumindest probiert man auch hier bereits seit Anfang des Jahres eine Comedy-Schiene aus. Und auch diese trägt den Namen Comedy Central. Bislang wird nur zwei Stunden am Abend gesendet, doch dabei dürfte es bei Erfolg wohl kaum bleiben. Moderatoren hat man bei TMF Belgien bereits vor zwei Jahren komplett abgeschafft. Ansonsten scheint das Programm vor allem durch Clipstrecken gekennzeichnet zu sein. Etwas, das wohl auch VIVA blühen dürfte. Zumindest verspricht man bereits mehr Musik. Zumindest einen positiven Aspekt könnte die Umwandlung zum Programmfenster also haben.

Es bleibt eine spannende Entwicklung, die für VIVA die letzte Chance vor dem endgültigen Aus sein dürfte, die aber auch noch offene Fragen bietet. Auf jeden Fall gesteht man nun aber endlich ein, dass die Neupositionierung von VIVA bei der Verbannung von MTV ins Pay-TV gescheitert ist.

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