Während meine Wampe in der spanischen Sonne brutzelte, haben einige Sender an der Optik ihrer Sport-Sendungen geschraubt. Pünktlich zur neuen Fußballsaison hat das ZDF mehr als nur feucht durchgekehrt, die ARD der „Sportschau“ ein neues Studio spendiert und auch der HR hat seine Sportberichterstattung optisch erneuert. Ein schneller Blick auf alles Neue.

Komplett neuer Look für den Sport im ZDF © ZDF/Atelier Markgraph, Alpenblick GmbH

Erstmals übertrug das ZDF in diesem jahr das Eröffnungsspiel der Fußball-Bundesliga live; die neue Rechteperiode macht’s möglich. Die Mainzer nutzten diesen Anlass, um das Sportdesign ordentlich aufzumöbeln. Nötig war es: Im bisherigen Look übertrug das ZDF schließlich auch schon die heimische Weltmeisterschaft vor zehn Jahren, als noch niemand wirklich aktiv an HD dachte und auch Breitbild noch nicht die Regel war.

„Dynamisch, emotional und kraftvoll“ soll das neue On-Air-Design des ZDF-Sports sein. Anstelle der unförmigen, weißtransparenten Bauchbinden gibt es nun beispielsweise schwarze Balken, welche die – nach wie vor vergleichsweise großen – Texteinblendungen tragen. Der Look der Einblendungen ist dabei an das neue Studio angelehnt, das im „Schwarm-Design“ (ZDF) ebenfalls auf viele Balken setzt und im 360-Grad-Modus das komplette Studio umgibt. Ich glaube, das kann noch eine schöne Spielerei werden, wenn man sie sinnvoll einsetzt. Erst einmal fühlte ich mich beim ersten neuen „aktuellen Sportstudio“ aber von den vielen, noch dazu mit Wusch animierten Farbflächen, die das Stadiongefühl ins Studio und letztlich ins Wohnzimmer übertragen sollen, erschlagen. Dennoch: Ein wichtiger Schritt nach vorne ist beim ZDF getan. Was mir gefällt ist, dass man sich trotzdem am alten Look orientiert hat und etwa bei den Intros weiter auf sportliche Bilder setzt – nur eben mit milchigen Buchstaben (nett) und Balken statt dem geschwungenen Band zwischen den Sportlern. Auch bei der Musik hat man sich in Mainz am bisherigen Auftritt orientiert, diese aber etwas aufgemotzt.




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„Sportschau“ im Ersten mit neuem Studio © WDR/Herby Sachs

Bereits vor einem Jahr hat die ARD am Look der „Sportschau“ geschraubt und ein komplett neues Grafikdesign etabliert. Das ist deutlich temporeicher und hat sich bei allen Events gut geschlagen. Nur am Studio tat sich damals wenig: Der Tisch wurde erneuert und die Punktwellen erneuert, aber sonst tat sich wenig. Ganz im Gegenteil, durch den Wegfall der orangefarbenen Beleuchtung wirkte die „Sportschau“ plötzlich unangenehm kühl.

Kühl ist das neue Studio des Fernseh-Urgesteins nun nicht mehr, aber auch nicht mehr unbedingt so wahnsinnig technisch. Dabei hilft das wärmere Holz und auch die Tatsache, dass – zumindest bei der Bundesliga-Ausgabe – auf den großen Screens nun die Fußball-Variante der „Spotschau“-Grafik genutzt wird – ein eigentlich viel zu logischer Schritt. Es tut dem Studio sehr gut, dass insbesondere dank des Rasengrüns nun wieder andere Farben ins Spiel kommen. Auch ohne Rasenoptik wirkt die „Sportschau“ nun aber wieder etwas einladender, was vor allem auf die großen Bildschirme zurückzuführen ist. Und dann ist da ja auch noch der neue Tisch, der optisch etwas mehr Schwung in die Sendung bringt als die bisherige Kloschüssel.

Auch der HR hat am Sport-Design geschraubt

Der Hessische Rundfunk hat sein „Heimspiel!“ auch optisch erneuert, ist aber wie üblich trotzdem in der Vergangenheit stecken geblieben. Das hr-Fernsehen setzt bei seiner Sportmarke nun auf ein virtuelles Studio, dem man seine Virtualität leider aber auch wieder sehr ansieht. Ich finde es immer schade, dass man dem hr so sehr ansehen muss, dass er der kleinste der großen Landesrundfunkanstalten ist. Ein Bild gibt’s direkt beim hr.

Und dann war da ja auch noch die Bundesliga

Die Bundesliga selbst hat sich zum Start der neuen Saison, ihr werdet es ja schon bemerkt haben, ebenfalls einen neuen Look (und der 2. Liga ein eigenes Logo) verpasst. All zu viel möchte ich darüber gar nicht verlieren, weil ich das alte Design viel zu wenig kenne. Aber: Es hebt sich sehr von den einzelnen Sportsendungen ab, was wohl als Erfolg gewertet werden kann. Der Trend im Fernsehen ging zuletzt, vor allem auch bei Sky, wieder zu mehr Klingbing; da hebt sich das Flatdesign der Bundesliga gut ab. Was mir besonders gefällt: Der kleine Ladebalken in der Uhr der Spielstandsanzeige, der am Ende einer Halbzeit die komplette Uhr rot färbt. Das Intro ist akustisch selbst für mich als Fußballhasser eingänglich, wenn auch optisch wegen der rein grafischen Anwendung ja eigentlich unaufregend.