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Spontane Tour von Venlo nach Kempen

Mit dem Fahrrad an der MaasAm Samstag bin ich – mit der Idee war ich angesichts des Feiertages und des verdammt guten Wetters wahrlich nicht alleine – wie schon im vergangenen Jahr wieder nach Venlo gefahren. Es scheint sich eine kleine Allerheiligen-Tradition zu entwickeln. Im Unterschied zum letzten Jahr hatte ich diesmal das Rad dabei – wodurch mein Rückweg doppelt so lang wie erwartet wurde …

Die Idee, die ich mir freilich bei wem Besonderes abgeschaut habe, finde ich an sich noch immer gut: Anstatt direkt bis nach Venlo durch zu fahren, bin ich diesmal in Kaldenkirchen ausgestiegen und einfach mit dem Rad ins Venloer Zentrum gefahren. So weit ist die Strecke ja nicht, und anders als hier im Bergischen Land ist es dort zum Glück ja auch überhaupt nicht bergig. Der Hinweg war auch entsprechend angenehm, wenn man von den letzten Minuten im nun vollen Zug absieht. Habt ihr schon einmal versucht, aus einem brechend vollen Zug mit dem Rad eine Station vor der Haltestelle auszusteigen, an der alle Anderen erst aussteigen? So beliebt war ich schon lange nicht mehr.

All zu viel bin ich in Venlo selbst dann gar nicht gefahren und doch fühlte ich mich verdammt wohl. Vernünftige Radwege kenne ich aus dem Tal der Wupper ja nicht und so war das Radeln auf Venlos Straßen wirklich eine Wohltat. Insgesamt bin ich ziemlich stolz darauf, dass mein Rad in diesem Jahr deutlich mehr als die Sambatrasse gesehen hat. Dass es Anfang November nun auch noch ein Auge (oder besser ein Frontlicht?) auf die Maas werfen konnte: Ich klopfe mir selbst auf die Schulter.




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Venlo selbst muss ich nicht erklären. Die Lage ist dort immer recht ähnlich und an einem sonnigen Feiertag potentiert sich die Lage nur noch: Ein Haufen bescheuerter Deutsche steht vor den 2 Brüdern von Venlo an, um überhaupt erst in den Laden zu kommen. Dabei ist der Laden gar nicht so günstig, Albert Heijn ist nicht weit und mit Jumbo gibt es mittlerweile sogar in der Innenstadt am Maasboulevard einen weiteren, von Touristen kaum frequentierten und günstigeren Supermarkt. Nur Mountain Dew haben weder AJ noch Jumbo im Sortiment – doch dafür habe ich mir die 2 Brüder nun auch nicht noch antun wollen. Was sonst so auffiel? Saturn heißt dort nun Media Markt und nebenan steht, direkt am Maas-Ufer, ein Primark. Liebes Wuppertal: Stellt euch nicht so an, selbst Venlo (!) hat jetzt einen!

Zum größeren Problem wurde dann aber die Rückreise. Ich habe schon befürchtet, dass es im Zug voller wird und habe mich daher relativ früh auf den Weg zurück nach Kaldenkirchen gemacht. Mit kleinem Zwischenstopp bei Albert Heijn natürlich, ohne Vla und Co. verlasse ich die Niederlande sicher nicht. Gut bepackt kam ich ein paar Minuten vor planmäßiger Abfahrt des Maas-Wupper-Expresses dann auch wirklich in Kaldenkirchen an und traute meinen Augen kaum: Anders als auf dem Hinweg setzte die Eurobahn tatsächlich nur einen Wagen ein. Und der war – ihr könnt es euch sicher vorstellen – auch um kurz nach 15 Uhr schon ziemlich voll. Was folgte war die sehr charmante Ansage „An die Radfahrer am Bahnsteig: Der Zug ist voll, Sie dürfen nicht mit“. Aufgeschmissen stand ich nun dort mit meinem Rad, zwei Fahrradtaschen voller Einkäufe und mit nur noch halbvollem Handyakku. Was machen?

Am Bahnsteig waren noch mindestens drei andere Radler, die auch irgendwie voran kommen wollten. Ein älterer Herr – wie sich später herausstellte war er bereits 72 Jahre alt – merkte mir offensichtlich an, dass ich leicht aufgeschmissen war. Er erwies sich als äußerst ortskundig, obwohl er auch nicht aus der Gegend kam. Mein Glück aber: Er musste auch zurück nach Düsseldorf. Er wusste sofort, dass es eine weitere Möglichkeit gibt, dorthin zu kommen. Dafür mussten wir aber erst nach Kempen fahren, fast 20 Kilometer von Kaldenkirchen entfernt. Aber welche Wahl hatte ich schon? Der Vla musste nachhause in die Kühlung und der nächste Zug wäre ja, davon gehe ich zumindest aus, sicher nur noch voller gewesen.

Also nahm ich das Angebot gerne an und bin mit ihm die Strecke nach Kempen, eine alte Bahntrasse, gefahren, wo wir natürlich keine zehn Minuten zu spät ankamen und so noch 50 Minuten auf den nächsten Zug nach Düsseldorf warten mussten. Augenscheinlich machte ich einen fitten Eindruck auf den Herrn, denn er forderte mich am Anfang auf ruhig voraus zu fahren, er wolle mich nicht aufhalten. Ratet mal, wer dann zwischendurch warten musste? Natürlich, er. Dass er jeden Tag mindestens 30 Kilometer Fahrrad fährt, um in Form zu bleiben, hat er mir nämlich zu Beginn noch verschwiegen. Als absehbar war, dass wir die Bahn knapp verpassen werden, war er so gnädig und hat ein „gemächliches Tempo“ eingelegt. Für mich war er, was auch ein wenig an meinen schweren Einkäufen lag, aber selbst damit noch zu schnell 🙂

Dennoch bin ich sogar recht froh, dass es nun so gekommen ist. Er hat mir viel über die Landschaft erzählt und diese zu sehen, tat dem Auge sehr gut. Dort in der gegend ist außer Feldern ja nicht viel, aber als Stadtkind tut auch dieser Ausblick mal wirklich gut. Als wir dann Kempen erreichten und ich mir an einer Tankstelle erst einmal etwas trinken konnte (selbst um aus meiner Flasche zu nuckeln war unterwegs bei seinem Tempo keine Zeit!), war ich dennoch ziemlich erleichtert. Und als ich den Anschluss in Düsseldorf sogar noch bekam – ich stand natürlich erst am falschen Gleis, und das bei kaputtem Aufzug – war ich umso erleichterter. Ein Trip, den ich so schnell nicht vergessen werde.

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