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#refugeeswelcome: Willkommen auf Küllenhahn

Seit etlichen Wochen dominiert die derzeitige Flüchtlingskrise bereits das Nachrichtengeschehen. In der vergangenen Woche aber war das Thema für mich so nah wie zuvor nicht: An meiner alten Schule bezogen 300 Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, die dortigen Sporthallen. Nach der Arbeit machte ich mich auf den Weg nach Küllenhahn.

Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich überhaupt Teil der Menschenmasse vor Ort sein möchte. Ich hatte ehrlich gesagt dabei vor allem auch Angst vor Übergriffen Rechter – und weil ich montags, als die Flüchtlinge eigentlich ankommen sollte, lange arbeiten musste, erübrigte sich die Frage doch wieder. Aber dann verzögerte sich die Ankunft um einen Tag und ich stand vor der selben Frage. Aber warum eigentlich nicht? Warum nicht gerade wegen der Sorge vor Rechten Präsenz zeigen und Menschen, die einen beschwerlichen Weg und vermutlich viele Schicksalsschläge und Ängste zeichnen dürften, herzlich begrüßen? Sie schlicht willkommen heißen? Ich bin überzeugt, dass auch dies einem Miteinander, vor allem auf lange Sicht, behilflich sein wird.

Also machte ich mich auf den Weg. Zwei Busse waren bereits ohne mich angekommen, weil ich noch den Schreibtisch hüten musste. Und kurzzeitig dachte ich auch, als ich bereits auf dem Weg war, dass ich besser umkehre. An einer Ampel fuhr mir ein Autofahrer, der offensichtlich nicht warten wollte und sich beim Abbiegen vordrängelte, in mein Fahrrad und sorgte für einen zersplitterten Kettenschutz. Das Auto war schnell weg, ich mit zittrigen Beinen leicht unter Schock und hinter mir nur ungeduldige Autofahrer, die hupten, als ich meine scharfkantigen Trümmerteile aufsammelte. War ich wirklich in der richtigen Verfassung, um mich in die Masse helfender Menschen zu begeben?




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Ich habe wieder nachgedacht. Und bin zu dem Entschluss gekommen: Jetzt muss der Tag erst recht etwas Gutes bringen. Also habe ich mich auf mein nun etwas leichteres Rad geschwungen und bin weiter in Richtung Sportzentrum gefahren. Dort kam ich gegen 18:00 Uhr an und es war gerade Pausenstimmung, die aber anders als gedacht nicht lange dauern sollte. Ich war noch keine fünf Minuten da, da fuhr auch bereits der dritte Bus des Tages auf das Gelände. Alle freiwilligen Helfer versammelten sich um den Bus herum und winkten den Neuankömmlingen zu. Und beklatschten sie. Und sangen. Und halfen letztlich auch, indem in einer Menschenkette das wenige Gepäck in die Halle befördert wurde. Ich war von den Eindrücken kurz überwältigt.

Der dritte Bus war noch nicht ganz weg, da wurde auch bereits der vierte Bus angekündigt. Erst einmal mussten aber die gerade Angekommenen in der Halle aufgenommen werden, wodurch etwas Wartezeit entstand und ich auch erst einmal richtig ankommen konnte. Vor Ort traf ich auf Meike Nordmeyer, die mir zwar bereits lange von Twitter bekannt ist, die ich aber zu diesem Anlass das erste Mal in der Offline-Welt traf und mit der ich dann große Teile des Nachmittags und Abends verbrachte. Auch dieser Kontakt hat mich wahnsinnig gefreut! Vor Ort war auch Sozialdezernent Stefan Kühn, der den Helfern immer wieder dankte und übrigens auch die lokale Presse, explizit Radio Wuppertal, den WDR und, wenn ich mich recht erinnere, die Rundschau. Schade aus meiner Sicht aber, dass die Presse nur zu Beginn des Tages da war und das weitere Engagement nicht weiter beobachtete.

Aber zurück zu den ankommenden Bussen. Jeder einzelne Bus hat mich extrem berührt. Vor allem die Masse an Kindern, die im vierten Bus nach Wuppertal reise, hat mich wirklich sprachlos gemacht und mit meinen Gefühlen kämpfen lassen. Ich kann mich an ein Mädel erinnern, vielleicht im frühen Grundschulalter und typisch rosa gekleidet, das mit strahlenden Augen durch die Frontscheibe des Busses beim Ausstieg winkte und so wahnsinnig erleichtert dabei wirkte. Meinen Unfall, der mich erst kurz zuvor sehr aus dem Konzept brachte und verunsicherte, war dabei schnell vergessen. Was ist schon ein blöder Kettenschutz, wenn ich es hierzulande doch sonst so gut habe.

Der fünfte Bus wartete auch nur darauf, endlich das Gelände zu befahren und es waren noch immer etliche freiwillige Helfer vor Ort, die nun von offizieller Seite auch mit Getränken ausgestattet wurden. Als der fünfte Bus fuhr, war bereits klar, dass es knapp zwei Stunden bis zur Ankunft des sechsten und zugleich letzten Busses dauern werde. Auch wenn ich die Chance nutzte, um kurz nachhause zu fahren und etwas zu essen: Es stand für mich außer Frage, noch einmal nach Küllenhahn zurückzukehren und dort gemeinsam mit dem hinzugestoßenen Guido Gallenkamp, den ich damit ebenfalls mal real kennlernen konnte, Meike Nordmeyer und rund 100 anderen Helfern auch am späteren Abend noch zu helfen und die neuen Nachbarn zu begrüßen. Nun übrigens auch als Helfer in der Menschenkette.

Ich habe anfangs lange gezweifelt und mich selbst innerlich auch mit dem Vorwurf des Sensationstourismus auseinandergesetzt. Doch vor Ort waren die Zweifel äußerst rasch vergessen und am Ende so fern, wie es für uns auch Krieg und Leid sind. Warum soll man denn nicht helfen? Ich bin froh, ein Teil der freundlichen und helfenden Gemeinschaft gewesen sein und habe das Gefühl, etwas Gutes getan zu haben. Nächste Mission: Kleidung, die ich aus Bauchgründen schon lange nicht mehr trage, aussortieren und zur Sammelstelle bringen.

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