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Mit dem Fernbus nach London und Manchester

Zu Fuß nach Manchester?

Zu Fuß nach Manchester? Das ist selbst mir zu weit.

Eigentlich dachte ich, dass ich das Land abgesehen vom traditionellen Ausflug nach Venlo nicht mehr verlassen werde. Doch ohne Urlaub, das ist auch kein richtiges Jahr, oder? Also habe ich doch meine übrigens Pound aus Wales zusammengesucht und mich noch einmal auf den Weg nach Manchester gemacht, um dort eine Freundin zu besuchen. Zu Fuß ist dies ja etwas weit, weshalb ich mich diesmal sofort für den Fernbus entschieden habe und den Großteil der Strecke mit Megabus gefahren bin. Ein kleiner Erfahrungsbericht.

Die Hinfahrt
Flugzeuge sind bei mir ja leider nach wie vor keine Option, da ich an meinem Leben hänge und mein Verstand sich verabschiedet und im Flugzeug auf Angst umschaltet. Ich überlegte zwar kurz, ob ich zumindest bis London mit dem Eurostar fahre, doch mit gerade einmal 18,00 Euro für die Fahrt von Köln nach London hat Megabus die Sache sehr rasch für sich entschieden. Da kann einfach niemand mithalten, auch Eurolines war diesmal leider sehr viel teurer – und hat noch dazu deutlich mehr Halte, was die Fahrt länger macht. Also ging es an einem Dienstagabend nach Köln irgendwo hinter der Lanxess-Arena, wo ein dürftiger DIN-A4-Zettel an einem Zaun auf den Halt des Fernbusses von Megabus hinweist. Wo bin ich nur hier gelandet?




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In der Gummersbacher Straße hing aber nicht nur ein kaum sichtbarer Zettel an einem Zaun. Zusätzlich stand hier auch ein Mitarbeiter von Megabus, den man vor allem an seiner Warnweste erkannte. Er prüfte die Reiseunterlagen – man muss lediglich einen Ausdruck der Mail mitbringen – und warf auch einen Blick auf den Personalausweis. Schließlich geht es über die Grenze, da ist natürlich auch dieses Dokument sehr wichtig. Der Mitarbeiter gleicht verblüffenderweise tatsächlich nur die Unterlagen ab und verabschiedete sich danach wieder in Richtung Zug. Weshalb nicht einfach der Fahrer einen Blick auf die Unterlagen wirft, wie es auch an den zusätzlichen Halten in Brüssel und Gent der Fall war … ich habe es nicht verstanden.

Der Bus selbst war erstaunlich modern. Es gibt Steckdosen an jeden Sitzpaaren, die sich in der oberen Etage befindet. Unten hat der Fahrer seinen Sitz – und hinten lagerte dann das Gepäck. Da ich unter der Woche gefahren bin, war der Bus erfreulich leer. Ich konnte ganz vorne sitzen und hatte auch beide Sitzplätze für mich. Und natürlich konnte ich einen sehr tollen Ausblick genießen, da ich wahlweise direkt an der Frontscheibe kleben konnte. Der erste Fahrer verstand es leider nicht, die Heizung ordentlich zu regulieren, was er auch auf Nachfrage nicht änderte. So war es teilweise sehr heiß. Ab Gent, wo der Fahrer ausgetauscht wurde, änderte sich aber auch dies erfreulicherweise. Was aber sehr schade ist: Megabus wirbt zwar damit, dass fast alle Busse über WLAN verfügen und meine Geräte fanden auch ein entsprechendes Netz, doch funktioniert hat das Internet an Bord auf der Hinfahrt leider überhaupt nicht. Hier gibt es definitiv noch Besserungsbedarf.

Megabus nutzt in Calais die Fähren von P&O, die zum Teil recht altbacken, zum Teil aber sehr modern sind. Da muss man auch ein wenig Glück haben. In London bin ich erfreulicherweise pünktlich angekommen und hatte einige Stunden eingeplant, um mir einmal die Füße vertreten zu können. Dann ging es mittags weiter nach Manchester – diesmal allerdings mit meinem Lieblings-Fernbus-Unternehmen National Express, das für gerade einmal 5 Pfund auf der Strecke verkehrt. Große Beinfreiheit, Steckdosen, Ledersitze … nur WLAN hatte auch leider dieser Bus nicht. Und leider landeten wir auch in einem derben Stau, der durch eine Baustelle bedingt war. Statt fünf Stunden, brauchte ich dadurch sieben Stunden von London bis Manchester. Das zerrte irgendwann, vor allem nach der langen Fahrt von Köln nach London, dann doch an den Nerven.

Die Rückfahrt
Von Samstag auf Sonntag sind wir um 04.40 Uhr dann in Manchester aufgebrochen, diesmal wieder mit Megabus. Was haben wir uns nur dabei gedacht, zu dieser Zeit aufzubrechen? Weil nachts keine Tram fährt, waren wir schon gegen 01.00 Uhr im Zentrum – und mussten sehr viel zeit totschlagen. Das klappte letztlich im Bahnhof inmitten lauter Freaks, die uns sehr viele Lacher bescherten, sehr gut. Aber darauf wollte ich ja eigentlich gar nicht hinaus. Die Fahrt mit Megabus von Manchester nach London war zwar sehr stark gebucht, lief aber recht problemlos und wir landeten dann auch püntklich in der Victoria Coach Station im Herzen der britischen Hauptstadt. Aber es sollte am Abend ja noch eine Rückfahrt nach Köln für mich folgen …

Da sollte dann letztlich Vieles nicht klappen. In meinem Ticket stand als Abfahrt noch 21.00 Uhr, angeschlagen (und in wenige Tage vor der Abfahrt ausgestellten Tickets) war dann aber bereits 21.30 Uhr. Und auch dabei sollte es im riesigen Chaos an der Coach Station nicht bleiben. Der eigentliche Megabus war noch immer unterwegs, also wurde schnellstmöglich ein Ersatz zur Verfügung gestellt. Der übervolle Bus, in dem ich als fast einziger noch zwei Sitzplätze mein Eigen nennen konnte (wieder ganz vorne), fuhr dann auch erst um kurz vor 22.00 Uhr los, was uns noch zum Verhängnis werden sollte. Denn in Dover angekommen, sah bei der Passkontrolle zwar noch alles gut aus und auch der Schalter der Fähre ließ uns noch passieren – doch die Mitarbeiter von P&O haben dann doch kurz vor uns die Schranke herunter gelassen und zwar die vier Busse vor uns, aber nicht mehr uns mitreisen lassen.

Und so begann das ganze Drama. Wir mussten zwei Stunden auf die nächste Fähre warten; immerhin gibt es in Dover aber offenes WLAN, einen WHSmith und einen Costa. Doch dadurch kamen wir dann auch auf dme Festland deutlich verspätet an. In Gent gerieten wir dann noch in einen Streik, der durch Rückstaus alles nur noch mehr verzögert hat. Und weil das nicht reichte, haben wir Brüssel dann auch im dichtesten Berufsverkehr kennen gelernt, den man sich nur vorstellen kann. Hier sammelten wir immer mehr Verspätung und irgendwann drohte es auch so zu kommen, dass der Fahrer kurz vor Köln noch eine gesetzliche Ruhezeit einlegen muss.

Dreieinhalb Stunden später als geplant kam der Megabus dann in Köln an, und das auch nur, weil doch keine Pause eingelegt werden musste – oder wurde? Ihr glaubt gar nicht, wie froh ich dann war, endlich da zu sein. Und wie schön es war, am Bahnhof sogar noch überrascht zu werden.

Kosten
Köln-London: 18,00 €
London-Manchester: 4,99 £
Manchester-London: 5,00 €
London-Köln: 21,50 €

Fazit
Für die Verkettung der ganz blöden Umstände kann Megabus am Ende nicht viel – und doch sind sie ja nicht ganz unschuldig. Warum wurde die Abfahrt wenige Tage vor Antritt der Reise noch um eine halbe Stunde verschoben? Das hat bereits sehr viel Puffer gekostet – und dass ich nicht per Mail darüber informiert wurde, würde ich auch leicht anprangern. Dennoch würde ich wohl wieder mit ihnen nach UK fahren. Der Preis ist einfach unschlagbar und da die Fahrt über Nacht stattfindet, ist die Dauer auch sehr verschmerzbar. Dennoch dürfte die Organisation etwas besser laufen und angesichts möglicher Verzögerungen wäre funktionsfähriges WLAN schon eine nette Ergänzung.

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