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Mein erster Unterricht, Cardiff, Flugkatastrophen, Sonne!

Tenby South BeachDer letzte Beitrag endete damit, dass ich den Schülern unter anderem beibringen wollte auf Deutsch zu zählen. Dazu kam es dann aber letztlich doch nicht – und doch habe ich in der Woche vor den Ferien gleich zweimal richtig unterrichten dürfen. Da ich hier ja wieder etwas hinterher hinke, fehlt auch noch der Trip nach Cardiff sowie der Flug zurück nach Deutschland für eine schöne Urlaubswoche. Und auch nach den Ferien habe ich gleich viel erlebt!

Nachdem wir am Montag vor dem Mid-Term Uni-bedingt sinnloserweise nach Haverfordwest mussten und dadurch erst spät zuhause waren, überraschte mich meine Klassenlehrerin am Dienstag damit, dass ich am Mittwoch doch mal eine Stunde halten sollte. Und am Donnerstag auch gleich Englisch. Auf einmal existierte ich für sie. Zeitlich war das natürlich phänomenal, arbeite ich doch dienstags immer für DWDL.de und erstelle das UK-Update. Da sie Wahrscheinlichkeiten noch nicht gemacht hatte, musste ich sogar ein neues Thema einführen, wobei es hier erstmal nur um das Konzept und Verständnis ging, nicht aber um Berechnungen.

Begonnen habe ich die Stunde wie es die Kinder gewohnt sind mit einer langen Runde mental arithemtics: verschiedene Rechnungen werden vorgegeben und die Antwort wird von den Kids auf kleine Whiteboards geschrieben – oder halt auf Papier, da die Whiteboard-Pens bei uns chronisch leer sind. Für den Block Wahrscheinlichkeiten hatte ich eine Vorgabe durch das Leerbuch. Verschiedene Aussagen mussten in die vier Kategorien Sicher, Wahrscheinlich, Unwahrscheinlich und Unmöglich einsortiert werden. Da ein Raum ja praktischerweise vier Wände hat, habe ich an jede Wand eine dieser Antworten aufgehängt und dann verschiedene Aussagen vorgegeben. Die SchülerInnen mussten sich dann entsprechend ihrer Meinung im Raum positionieren und Argeumente für ihre Entscheidung liefern. Das lief wirklich super!




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Nachmittags, als meine Klasse wieder zum Schwimmunterricht nach Pembroke fuhr, wollte ich eigentlich in Ruhe meine Englischstunde vorbereiten. Meine Lehrerin wollte gerne irgendwelche amazing pictures, die Grundlage für eine Story sein sollten. Nur bin ich ja überhaupt nicht kreativ. Aber auch hier wurde mir ein Strich durch die Rechnung gemacht, denn gleich morgens kündigte sie an, dass ich in der Zeit dann die Umgebung erkunden soll – wobei sich „Umgebung“ dann bis zum Nachmittag zum Pembroke Castle, etwa 50 Minuten zu Fuß von der Schule entfernt, wandelte. Leider hat sie dafür auch meine Mathestunde eher als geplant abgebrochen (sie war die ganze Zeit außerhalb des Klassenraums), sodass ich nicht zu den deutschen Zahlen kam 🙁 Der Ausflug zum Castle war aber wirklich schön; Fotos davon lade ich irgendwann ganz bestimmt vielleicht eventuell wenn ich es nicht vergesse noch hoch. Bei der Vorbereitung zur Englischstunde hat mir meine Schwester dann noch geholfen und mir Bilder vom Wuppertaler Elefantenbaby Moyo geschickt. In der Stunde habe ich dann ein paar davon gezeigt und ihn als Celebrity vorgestellt. Die Schüler waren wirklich angetan und mussten dann eine kleine Geschichte aus Perspektive des Elefantens über den ersten Tag vor Publikum schreiben.

Am Freitag ging es dann am frühen Morgen nach Cardiff, wo wir übernachten mussten, um samstags rechtzeitig am Flughafen zu sein. Ihr glaubt gar nicht, wie gut es tat, mal wieder hohe Häuser und Geschäfte zu sehen! Cardiff ist an sich auch eine schöne Stadt, aber an einem Tag hat man auch einfach vieles schon gesehen. Also ging es mit viel HMV-Beute und ein bisschen neuen Klamotten wieder zurück ins Hostel. Nachts habe ich sogar ein bisschen geschlafen – im Flugzeug, es war nur so ein kleiner Business-Spielzeugflieger, dann aber doch erstmal geheult (ist mir vorher noch nie passiert) und geschrien. Durfte mir sogar die Piloten vorher angucken und wurde von beiden Stewardessen gepflegt, half aber bis auf die Sekt-Rationen alles nichts. Vor allem beim Todeslandeflug durch die Düsseldorfer Wolkendecke. Flugzeuge und ich werden nie Freunde – und obwohl ich auf dem Flug eine Woche später zurück noch nicht einmal geheult habe, hat mir die Stewardess („Wir sind doch im Himmel!“) übrigens attestiert, dass es Leute mit so großer Angst sehr selten gibt. Ich verliere zwar auch in diesen Situationen meinen Humor nicht – auf dem Flug Cardiff-Düsseldorf konnte die Stewardess bei der Sicherheitsbelehrung kaum noch ernst bleiben – aber beim Rückflug habe ich auch schon längst beschlossen, dass es mein letzter Flug sein wird. Aus London werde ich nun trotz gebuchten Fluges Ende Juli mit dem Bus nachhause fahren; begleitet durch meine Schwester, die mich dort besuchen kommt 🙂

Tenby im JuniUnd was passiert einem Menschen, dessen Flugangst auch durch seine Höhenangst bedingt ist? Richtig, er muss klettern. Am Freitag habe ich ja eigentlich frei, aber mein Schulleiter hat mir angeboten, meinen freien Tag zu tauschen und dafür mit auf einen Ausflug der 4. Klasse zu kommen. Die sind in so einen Adventure-Park irgendwo nördlich von Haverfordwest gefahren, wo die Klasse geteilt wurde. Ich war natürlich mit meinem Schulleiter in einer Gruppe und musste am Felsen dann auch klettern. Juhu! Nach der Lunchbreak waren wir noch Bogenschießen im Wald, das war doch deutlich lustiger. Den Hindernisparcour im military style habe ich dann aber nicht mehr mitgemacht – die Kinder hatten aber mächtig Spaß dabei, sich durch den Schlamm zu robben.

Und sonst so? Diese Woche war ich zweimal am Strand, denn das Wetter ist hier wirklich sommerlich heiß. Zu heiß für mich. Mein leichter Sonnenbrand ist aber schon zu knackiger Bräune geworden (bilde ich mir ein). Zumindest nachts dürfte es auch ruhig mal regnen, meint mein Heuschnupfen. Wir haben uns wieder gut in Tenby eingelebt. In der Schule soll ich nun wieder nur Kleingruppen machen, zum Thema Rom (weil die Klasse im Herbst Iulius Caesar von Shakespeare aufführen wird). Gestern Abend, nachdem wir so rum scherzten, habe ich Angi dann mit einem Zimmer voller Teelichte überrascht. Weil sie besonders ist. Hoffe ich zumindest auf italienisch niedergeschrieben zu haben. Ihr seht schon, wir haben hier Spaß und bleiben verrückt! Sonst würden wir auch wahnsinnig werden.

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