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Kann man mal machen: Mit dem Bus nach Spanien

© MPAm Strand von Empuriabrava

Bald ist Halloween, hier im Blog sind überall Spinnweben – es wird also Zeit, schnell etwas zu schreiben, bevor hier am Ende noch Kinder um Süßes oder Saures bitten. Aber wie entferne ich die Spinnweben am besten? Natürlich mit einem sehr verspäteten Reisebericht.

Manch einer wird es ja mitbekommen haben, dass ich in diesem Jahr endlich mal wieder einen richtigen Sommerurlaub gemacht habe. Ich weiß gar nicht mehr, wie lange ich davor schon nicht mehr im Süden war so lange war es her und so nötig war er dieses Jahr nach dem äußerst stressigen und arbeitsintensiven Semester auch. Bei mir gibt es da ja leider nur immer ein kleines Problem: Wie komme ich überhaupt in den Süden? In ein Flugzeug kriegt mich schließlich niemand.

Es war ein ziemlich kurzfristiger Beschluss meiner Familie, nach Spanien zu fahren. Kurzerhand beschloss ich: Da muss ich mit! Kaum beschlossen, waren sie auch schon auf dem Weg gen Süden. Ich schreibe hier leider bewusst „sie“, denn ich hatte noch ein Blockseminar in der Uni und konnte erst ein paar Tage verspätet hinterher kommen. Dass sie mit dem Auto fuhren, davon profitierte ich also gar nicht. Für eine bezahlbare Bahnfahrt war es da auch schon zu spät. Da blieb also nur der Griff zum Fernbus. Damit habe ich nach England ja schon einigermaßen gute Erfahrungen gemacht, was sollte also schief laufen.

Gefahren bin ich mit Eurolines. Da die nur ab Düsseldorf fuhren, musste ich dort natürlich auch erst einmal hin. Aufgebrochen bin ich zuhause gegen 15:30 Uhr. Ich gebe euch in diesem Text ab und zu ein paar Zeitangaben, damit ihr verstehen könnt, was ich mir da eigentlich angetan habe. Die Fahrt sollte in Düsseldorf zwei Stunde später losgehen; weil ich mit er Bahn ja immer so viel „Glück“ habe, plante ich da bereits genug Puffer ein. Und wie es so ist, wenn man genug Puffer einplant, war ich natürlich ausnahmsweise pünktlich in Düsseldorf und musste dort noch warten. Ein bisschen länger als geplant, denn der Bus häufte auf dem Weg nach Düsseldorf bereits einige Verspätung an.




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Ein wenig beunruhigte mich dies. Denn ich hatte eine Verbindung mit Umstieg. Und die Umstiegszeit in der französischen Stadt Lyon war äußerst knapp bemessen – und jetzt schon quasi aufgebraucht. Am Telefon versicherte mir Eurolines zwar, dass ich den Anschluss nach Spanien auf jeden Fall bekommen werde, auch wenn mein Bus verspätet in Lyon ankommt. Aber skeptisch blieb ich dennoch, mir fehlte es einfach an Erfahrung und positive Erfahrung habe ich in der Vergangenheit mit Verkehrsunternehmen doch eher selten gesammelt. Aber erst einmal war ich glücklich als der Bus dann doch irgendwann kam, denn in Düsseldorf herrschte zur Stadt passendes Wetter. Es begann so stark zu schütten, dass meine Füße in den Schuhen schwammen. Da war der ankommende Bus ein Traum: Gut klimatisiert, es gab Steckdosen sowie WLAN und der Sitzabstand – das ist für mich mit fast zwei Metern Länge immer ein wichtiger Aspekt – war grandios. Um kurz vor 18:00 Uhr trat ich also endgültig meinen Trip in Richtung Spanien mit Eurolines an.

Zwischenstopp. #dasniveaureist

Ein von Marcel (@dasniveau) gepostetes Foto am

Der erste Teil der Fahrt war auch wirklich sehr angenehm. Den Feierabendverkehr hatten wir ja bereits hinter uns gelassen und sind gut vorangekommen. Mit den beiden Fahrern hatte ich Glück, da beide keinen aggressiven Fahrstil verfolgten. Das WLAN an Bord erfreute sich nicht nur bei mir großer Beliebtheit und sorgte für angenehmes, individuelles Bordprogramm. Im Hunsrück gab es dann die erste Pause. Bei der habe mir auf der Raststätte dann erst einmal ein Bier gegönnt, wie so ein richtiger Touri. Und da ich ja bekanntlich nicht viel vertrage, habe ich meine Meinung über den Fahrstil der Busfahrer dann auch rasch geändert. Hui! Nach dem ein oder anderen Nickerchen – durchschlafen kann ich bei voller Fahrt nur selten – sollte sich dies aber zum Glück wieder ändern. Rasch waren wir hinter der französischen Grenze und sammelten auf dem Weg nach Lyon in Strasbourg noch einmal ein paar Passagiere ein.

Bis Lyon lief dann alles unaufregend. Meine Sorgen, dort zu spät anzukommen, verflogen irgendwann auch. Letztlich waren wir sogar eine halbe Stunde früher am Bahnhof als geplant. Der Busbahnhof in Lyon, integriert in eine Art Parkhaus über der Stadtautobahn, ist nur leider überhaupt nicht einladend, sodass ich von diesem Zeitgewinn nichts hatte. Die Toiletten waren trotz gerade erst aus dem Raum gekommener Putzkraft massiv ekelig und sonst gab es dort auch nichts. Nur Irritation, wie es den jetzt weiter geht und wo mein Bus in Richtung Spanien sein wird. Irgendwann machte mich ein Fahrer dann darauf aufmerksam, dass ich innen im kleinen Vorraum an einen Schalter gehen muss. Der hatte allerdings die Rollladen noch unten und sollte erst eine Viertelstunde vor geplantem Fahrtantritt öffnen. Da wurde ich, warum auch immer, wieder etwas nervös, zumal konsequent Französisch gesprochen wurde und dies bei mir doch sehr rostig ist. Irgendwann öffnete der Schalter, ich versuchte mich mit Händen und auf Englisch zu verständigen und bekam auf Französisch gegen meinen Buchungsbeleg eine Karte mit einer Zahl in die Hand gedrückt. Was auch immer das heißen sollte.

Guten Morgen vom Zwischenstopp in Lyon! #nofilter #sonnenaufgang #dasniveaureist

Ein von Marcel (@dasniveau) gepostetes Foto am

Das Rätsel klärte sich schnell auf, als ich den Vorraum wider in Richtung Busse verließ. Manche hatten nämlich nun eine Zahl hinter dem Scheibenwischer und so wusste ich also, in welchen Bus ich als nächstes musste. Kurioserweise war es er gleiche Bus, aus dem ich eine Dreiviertelstunde vorher erst ausgestiegen bin. Aber so konnte ich meinen angestammten Sitzplatz wenigstens wieder einnehmen. Weiter ging es um 07:00 Uhr aber dennoch nicht. Denn ein Bus fehlte noch, der aus Frankreich steckte im Stau und weil dort auch noch Menschen drin waren, die mit nach Spanien wollten, warteten wir. So nervig das vielleicht auch gewesen sein mag: Für die Zukunft wusste ich nun, dass ich mich auf das Versprechen, den Anschluss auch bei Verspätung zu kriegen verlassen kann. Da ist Lyon anscheinend so etwas wie ein Drehkreuz von Lyon. Eine Stunde standen wir noch dort im Busbahnhofsparkhauskontrukt und warteten im dunklen Bus. Es gibt wirklich Schöneres, auch weil es quasi keine Informationspolitik gab.

Weiter ging es somit um 08:00 Uhr, als eine handvoll Passagiere noch hinzukamen und wir uns wieder in den Verkehr stürzen konnten. Meine Hoffnung war da noch, dass es ja mittlerweile Samstag war und wir dadurch auf der Autobahn Glück haben könnten. Diese naiven Gedanken sollten sich aber noch rächen: Alleine für das Stück nach Orange haben wir über sechs Stunden gebraucht. Wie standen im Endeffekt häufiger als wir uns fortbewegen konnten. Da begann ich zu ahnen: Spanien ist noch lange nicht in Sicht, ich werde mit großer Verspätung ankommen, die erste Info-SMS an die in Spanien wartende Familie ging da dann schon einmal raus.

hinweissnacks
Ich sollte Recht behalten. Zwar gab es auf dem Weg zur französisch-spanischen Grenze auch immer mal wieder Passagen, auf denen es schnell voran ging. Doch in Frankreich sind die Autobahnen mautpflichtig und die péage-Stationen sorgen für großen Stillstand. Es hat sich in der Regel schon so weit gestaut, dass das Info-Schild über die nahende Mautstelle noch gar nicht in Sicht war und man nur Mutmaßungen darüber anstellen konnte, warum es denn jetzt schon wieder nicht voran ging. Und in der Regel war es wirklich immer die in etlichen Kilometern befindliche Mautstation.

Ich möchte das Mautsystem gar nicht kritisieren, aber das war im Hochsommer schon sehr anstrengen und zerrte an den Nerven. Der Bus war zwar klimatisiert, aber gegen die pralle Sonne konnte das irgendwann, je näher wir Richtung Südküste kamen, natürlich auch nicht mehr viel ausrichten. Die Luft wurde stickig, die Stimmung wurde immer schlechter und jeder wollte einfach nur endlich ankommen. Ich erntete auf Twitter einen kleinen Mini-Shitstorm, als ich dann auch noch Eltern knatschender Kinder dafür kritisierte, dass sie so einen schon für Erwachsene äußerst anstrengenden Trip mit ihrem Nachwuchs in Angriff nehmen. Nach bald 24 Stunden auf den Beinen fand ich das aber irgendwo auch gerechtfertigt. Ich habe die Eltern kritisiert, nicht die Kinder. An deren Stelle hätte ich nämlich auch geheult. Ein Fernbus mit etlichen Stunden Fahrzeit in der prallen Hitze ist nicht unbedingt für den Nachwuchs gemacht. Als ich in einer Kindertagesstätte arbeitete, lernte ich schnell, wie wichtig Bewegung für Kinder ist, und finde es daher inhuman, ihnen diesen natürlichen Drang so lange zu verwehren. Aber egal.

Gegen 16:00 Uhr erreichten wir dann allmählich den Naturpark Narbonne, durch den die Autobahn ebenfalls führt. Von Fahrten aus der Kindheit wusste ich noch, dass bei dem ersten Ausblick aufs Meer die Grenze nicht mehr weit ist. Das mag in Kilometern stimmen, aber natürlich nicht in Zeiteinheiten. Ich vermutete noch, dass es wieder Grenzkontrollen gibt, schließlich herrschte in Frankreich noch der Ausnahmezustand. Am Ende war es aber doch auch wieder nur ein gare de péage. Vor dem standen wir so lange im Stau, dass ich die zwei Stunden lange Call-in-Sonderausgabe der Wochennotiz komplett hören konnte. Die Nerven lagen da echt mittlerweile völlig blank. Aber immerhin wurde ich gut unterhalten. Und falls Fragen von Hörern aufkommen: Die Badehose hatte ich, wie man oben sieht, dabei 😉

Empuriabrava, Stadt der Kanäle (dabei gibt's hier keinen Fernsehsender) #wieeinpostkartenmotivnurinecht

Ein von Marcel (@dasniveau) gepostetes Foto am

Gegen 18:00 Uhr schrieb ich meiner Mutter dann mal wieder eine SMS mit der Info: wir sind endlich über die Grenze gefahren! Mein Ziel war die Stadt Figueres, wo sie bereits mit meiner Tante plus Kindern auf mich warteten. Von der Grenze ist es nicht mehr ganz so weit in die Stadt. Also dachte ich, dass ich jetzt ja bald da sein müsste. Aber denkste: Auch die Spanier haben ja ihre Mautstationen. Dort ging es auf der Autobahn zwar deutlich flotter voran als noch in Frankreich, dafür aber an der Abfahrt nach Figueres nicht mehr. Dort staute es sich so weit, dass schon auf der Autobahn die rechte Spur weit vor der Ausfahrt blockiert war. Aber das war dann jetzt auch langsam egal, das Ziel lag dank der bereit sichtbaren großen Kugel des Künstlers Dalí ja wortwörtlich bereits vor Augen. Gegen 19:30 Uhr nahm meine Familie mich dort dann in Empfang. Noch ein bisschen auf dem Weg nach Empuriabrava eingekauft und um 20:20 Uhr schrieb ich meiner Freundin dann endlich, dass ich angekommen bin…

Am Ende war ich anders als angedacht nicht nur extrem lange unterwegs, sondern etliche Stunden mehr. Und dennoch bereue ich es nicht. Es war noch immer tausendmal komfortabler als mit einem Flugzeug und es tat mir sehr gut, nach mehr als einem Jahrzehnt mal wieder am Meer zu sein. Zurück ging es dann mit den anderen im PKW – und vielleicht hätte ich aus Platzgründen auch da besser wieder den Bus genommen. Vom Urlaub erzähle ich in einem anderen Beitrag dann vielleicht nochmal.

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One thought on “Kann man mal machen: Mit dem Bus nach Spanien

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