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„heute+“ vs. „logo“: Schicksalsjahre einer Nachrichtensendung

Da ist sie nun also, die neue Nachrichtensendung des ZDF. Am Abend lief die erste Ausgabe der neuen „heute+“, die so anders sein soll und durch eine andere Machart und dem Zuschauerdialog auch junge Zuschauer erreichen soll. Letztlich fehlt dem ZDF jetzt vor allem eine Nachrichtensendung in der frühen Nacht, denn Nachrichten vermittelte „heute+“ bei der Premiere kaum.

Was ist von der ersten Ausgabe, die ja bereits um 23:00 Uhr und damit eine gute Dreiviertelstunde vor der linearen Ausstrahlung in der ZDF-Mediathek lief, hängen geblieben? Junge Leute wollen Schicksalsberichte! Das ist zumindest mein Eindruck, wenn ich an die heutige Ausgabe der „heute+“ zurückdenke. Die Sendung, die anfangs einen Flüchtlingsschwerpunkt versprach, das Thema aber doch nur in zwei Beiträgen schnell abhandelte, konnte auch beim selbstgesetzten Schwerpunkt in einem Beitrag nur mit Einzelschicksalen aufwarten. Das ist im Sinne der emotionalen Bindung des Zuschauers vielleicht auch zu dieser Tageszeit verständlich, hat aber natürlich nur einen geringen Wert. Anstatt ein komplexes Thema anschaulich zu erklären, bedient sich die innovativgedachte „heute+“ dem Klassiker aller Vereinfachungen: Viel zu spezifische Beispiele.




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Das wird leider auch im weiteren Verlauf der Sendung nicht besser. Ein Beitrag zum Betäubungsmittelgesetz und dem alternativen Drogen- und Suchtbericht verkommt leider ebenfalls nur zur Schicksalsreportage eines Betroffenen. Mein Highlight der Sendung ist der Beitrag, den Daniel Bröckerhoff stolz als „erstes Listenformat“ der Sendung anmoderierte. Eine Reporterin darf durch rheinland-pfälzische Weinanbaugebiete trampeln (natürlich im roten Shirt, damit im grünen Umfeld alle Sinne angesprochen werden) und aufzählen, welche Genussmittel durch den Klimawandel in Gefahr geraten. „Vielleicht sind das ja Gründe genug, um mal über den Klimawandel zu reden“ sagt sie am Ende des Beitrages, tut es aber im Beitrag selbst nicht. Auch hier wird mir zu sehr emotionalisiert, erst recht als dann auch noch des Deutschen liebstes Getränk – das Bier – in Gefahr gerät. Warum kann eine moderne Sendung nicht auch Lösungsvorschläge präsentieren oder zumindest Forschungsstände und den Stand der politischen Debatte?

Die Relevanz des letzten Beitrages über eine Berliner Fahrradtruppe erschließt sich mir leider auch nicht. Das ist vielleicht in der Hauptstadt ein interessantes Thema. Allerdings befürchte ich, dass es auch dort nur ein Bruchteil der Bevölkerung wirklich anspricht. „heute+“ war bei der Premiere viel zu sehr ein Lifestyle- und Reportagemagazin, nicht aber eine Nachrichtensendung. Und das ist schade, denn gute Ansätze gab es; etwa mit dem knackigen Nachrichtenüberblick im Studio. Auch wenn man hier vielleicht bemängeln kann, dass beim erneuten Bahnstreik nur die Folgen für die Pendler, nicht aber der Verhandlungsstand thematisiert wurde: Viel Neues gibt es ja zu dem Thema wirklich nicht, da war die gewählte Form – also auf einen Einspieler zu verzichten – schon eine gute Wahl.

Ich habe mir den Spaß gemacht, und heute auch einmal die andere Nachrichtensendung des ZDF angesehen, die speziell für eine junge Zielgruppe gemacht ist. Okay, für eine sehr junge Zielgruppe, nämlich die „logo!“-Nachrichten im KiKA. Die Herangehensweise ist natürlich eine völlig andere, doch auch hier wurde direkt mit dem Außenministertreffen und den Lösungsvorschlägen der Flüchtlingskrise eröffnet. Anders als in der „heute+“ war hier sogar Großbritannien noch ein Thema und wurde genutzt, um das komplizierte Thema der EU und Großbritannien zu veranschaulichen. Ein weiterer Beitrag widmete sich dem Hunger in der Welt und einem Forschungsansatz aus Costa Rica, wo Kekse aus Insektenmehl erprobt werden. Das hat in meinen Augen leider schon deutlich mehr Relevanz als ein Fahrradclub aus Berlin. Die „logo!“-Nachrichten müssen sich hinter den „heute+“ nicht verstecken, und das nicht nur wegen des vorhandenen Wetterberichts. Für die „heute+“ ist es natürlich eher ungünstig, inhaltlich auf Augenhöhe der Kindernachrichten zu sein. Informiert fühle ich mich durch „heute+“ leider nicht.

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