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Freche Krankenversicherer

In Kürze erreiche ich das zarte Alter von 25 Jahren + einem Zivildienst, oder um es klarer zu formulieren: Ich bin jetzt ein vollwertiger Mensch und muss nicht nur auf Kindergeld verzichten, sondern komme auch in den Genuss, mich selbst krankenversichern zu dürfen. Natürlich wollte mich meine derzeitige Krankenkasse gerne als Kunden halten. Dass ich das nicht wollte, stand für mich aber schon lange fest. Dennoch versuchte die Versicherung mich natürlich zu halten und tat dies mit einem äußerst frechen Werbeanruf, der darin mündete, dass mir indirekt mit der Exmatrikulation durch fehlenden Versicherungsschutz gedroht wurde.

Schon lange habe ich versucht, meine Mutter dazu zu drängen, die Versicherung zu wechseln. Andernorts hätte es ein größeres Leistungsspektrum zum gleichen Preis gegeben. Da ich es nun selbst in der Hand habe, stand für mich fest: Die erste eigene Krankenversicherung wird bei einer anderen Krankenkasse sein, die mir eben diese Vorteile bietet. Als Student zahle ich über die studentische Krankenversicherung ja ohnehin überall den gleichen Betrag, da lohnt sich der Blick auf die Leistungen besonders.

Am Mittwoch klingelte dann mein Telefon und es meldete sich ein Mitarbeiter der derzeitigen Versicherung bei mir. Ich versuchte ihn gleich abzuwimmeln und wies darauf hin, dass ich mir vorstellen könne, weshalb er anrufe, ich aber absolut kein Interesse habe. Das Gespräch war hier für mich eigentlich bereits beendet, doch es sollte erst der Anfang eines sehr lauten Gespräches werden. Anstatt mich mit Leistungen zu ködern – zugegeben, ich hatte ja wirklich stark signalisiert, dass ich eh kein Interesse an einem Angebot habe – war eines der Hauptargumente, dass ich ja schließlich schon immer dort versichert gewesen sei, sowieso überall den gleichen Betrag zahle, und es ja dann selbstverständlich sei, dass ich auch weiterhin dort versichert sein werde. Viele dürften es sich wirklich so einfach machen, bei mir jedoch zieht dieses Argument gar nicht.




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Aber ich konnte ja auch Gründe anführen, weshalb ich selbst eine andere Versicherung wähle. Da wäre einmal, dass ich kürzlich ein Formular mit falschen Daten bekommen habe, laut dem ich plötzlich über meinen Erzeuger versichert gewesen sei, was nicht den Tatsachen entspricht. Der Mitarbeiter, dem zuvor noch wichtig war zu betonen, dass er schließlich für meine Gesundheit verantwortlich ist, hakte dies unter einem lapidaren „Wir machen alle mal Fehler“ ab. Nun, das sehe ich gerade in Bezug auf diesen unnützen Menschen in meiner Verwandschaft natürlich deutlich anders und Schludrigkeit in einem Laden, der doch so sehr für mich verantwortlich sei, dulde ich auch nicht. Punkt.

Aber ich sei doch schließlich auch immer zufrieden gewesen. Doch woran macht man soetwas fest? Bislang war ich halt familienversichert und hatte dadurch zwangsläufig ohnehin keine Wahl. Krank bin ich wahrlich nicht häufig und eine große Erkrankung oder gar einen Krankenhausaufenthalt hatte ich bislang zum Glück auch noch nicht. Und dass in den letzten Jahren viele Leistungen und vor allem auch Service gestrichen wurde, habe ich sehr wohl mitbekommen. Während das Gespräch auf beiden Seiten immer lauter wurde, konnte er mir auch hier kein Argument für seinen Arbeitgeber liefern.

Dann ist da noch meine Hausärztin. Ich habe zu ihr ein sehr großes Vertrauen, was bei Ärzten bei mir wirklich nicht oft der Fall ist. Auch sie hat schon seit Jahren von meiner Versicherung abgeraten und mir meine neue mehrfach wegen des größeren Leistungsspektrums empfohlen. Auch dieses Argument führte ich an, mitsamt der zusätzlichen Leistungen. Nun wurde der Berater richtig wütend. Wie es denn sein könne, dass eine Ärztin in der Stadt des Hauptsitzes seiner Versicherung eine andere Kasse empfehle, wollte er verärgert wissen und wies mich daraufhin, dass ich mir dann wohl eher mal Gedanken über meine Ärztin machen solle (Die Kasse scheint in der Stadt also wohl gute Lobbyarbeit zu leisten, scheitert an ihr aber offenbar.) Vermutlich wolle sie auch einfach nur IGeL-Leistungen verkaufen – dass dies nicht der Wahrheit entspricht und sie mir nicht einmal eine solche versuchte anzudrehen, sondern ganz im Gegenteil ja auf die Übernahme von Kosten achtet, ignorierte er gekonnt. Und überhaupt könne es nicht sein, dass eine andere Kasse von mir erwähnte Leistungen übernimmt. Sah die neue Kasse übrigens anders und bestätigte mir dann gestern auch meine Vorteile.

Aber hier war das Gespräch, bei dem sich beide Seiten hochschaukelten, noch immer nicht vorbei. Ich bat ihn darum, meine Daten dann auch zum Auslaufen meines Versicherungsschutzes zu löschen und von Werbeanrufen abzusehen. Das werde er nicht machen, schließlich sei er mein Versicherer und ein Werbeanruf sei es ohnehin nicht, sondern ein Kundentelefonat. Ich betonte, dass sein wirklich frecher Umgangston mich nur noch einmal darin bestärkt, dass es die richtige Entscheidung sei, mir eine andere Versicherung zu suchen und es ihm ja ohnehin nur darum geht, dass die Kundenzahl hoch bleibt.

Wir erinnern uns daran: Eigentlich wollte er mir eine Versicherung verkaufen. Das Gespräch mündete nun darin, dass er dann schon einmal einen Vermerk einstellen und meine Universität rechtzeitig darüber informieren werde, dass ich Mitte des Monats dann über keinen Versicherungsschutz mehr verfüge. Ich kochte zwar mittlerweile vor Wut, doch: Was er auch im Tonfall als harte Drohung verkaufte, nahm ich gelassen hin. Soll er es halt machen, ich werde ja versichert sein – nur eben nicht mehr bei seiner Kasse. Und dort werde ich nach dem Telefonat mein Leben lang nicht mehr versichert sein.

Was er aber erreicht hat: Nachdem ich Mutter, die seit gefühlt immer dort versichert ist, von dem Telefonat erzählte, hat auch sie heute Vormittag die Kasse gewechselt.

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