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Ein Lebenszeichen aus Tenby und der Schule!

Sonnenuntergang in TenbyHuhu, ich lebe noch! Jetzt wird es doch mal wieder Zeit für ein paar Worte aus Tenby und Lamphey. Denn in den vergangenen Wochen ist auch in der Schule viel passiert. So habe ich meine erste Erfahrung im Sport-Unterricht gesammelt und eine neue Aufgabe vom Schulleiter bekommen. Seit dieser Woche unterrichte ich, wenn die Organisation es zulässt, in Kleingruppen auch ein bisschen Deutsch und bringe Deutschland näher.

Da ich hier so lange geschwiegen habe, muss ich zeitlich doch ein wenig weiter zurückgehen. Vor gut zwei Wochen habe ich das erste Mal den Sportunterricht erlebt. Nur bei extremem Wetter findet der drinnen statt, ansonsten müssen die Kinder immer raus auf die Wiese. In der besagten Stunde hat meine Klasse eine Art Brennball mit kleinem Baseballschläger gespielt. Die Lehrerin kam dabei natürlich prompt auf die Idee: Marcel, versuch’s doch auch mal. Habe zunächst versucht mich heraus zu mogeln, aber es führte kein Weg daran vorbei. Habe zum Glück den Ball gleich beim ersten Mal getroffen – und auf einmal wussten auch alle Kinder wieder meinen Namen, denn nun hieß es „Go, Marcel, go!“. Ob das in Business-Schuhen und Sakko nun aber wirklich nötig war, seit mal dahingestellt.

In der gleichen Woche hatte der Schulleiter auch die grandiose Idee, dass wir Tagebuch führen sollen. Weil er möchte, dass wir die Zeit hier effektiv nutzen und auch das Land erkunden. Als einer der wenigen Personen versteht er aber immerhin, dass wir quasi kein Geld haben und uns nicht mal eben ein Auto kaufen können. Das wurde Angi tatsächlich vorgeschlagen. Im Diary-Book steht nun schon mehr als hier 😉 Außerdem habe ich bei einer Student Teacher hospitiert und Einblick in ihre Unterrichtsvorbereitungen bekommen. Das war wirklich mal interessant.

Seit dieser Woche unterrichte ich dann auch und sitze nicht mehr nur hinten drin bzw. helfe Schwächeren bei Mathe und Co. Da die Schüler hier wirklich Medien-verwöhnt sind – ein iPad schon zu Beginn der Grundschule ist vollkommen normal – habe ich eine Powerpoint mit ein bisschen Geographie und Bildern von großen Städten erstellt. In eine Karte mussten die Schüler dann diese großen Städte sowie Flüsse einzeichnen. Außerdem habe ich vorweg mit allen ein Arbeitsblatt gemacht, auf dem die Schüler ihr bereits vorhandenes Wissen über Deutschland niederschreiben und auch erwähnen sollten, was sie lernen wollen. Damit will ich die Stunden dann so interessant wie möglich machen. Hätte nicht gedacht, dass die Klasse zusammengenommen schon so viel weiß! Und man merkt auch gleich, dass die Schule schon länger mit der BUW kooperiert, denn die Story rund um Tuffi und der Schwebebahn war allen bekannt.




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Organisatorisch war es leider nicht ganz so schön, weil ich nie viel zeit bekommen habe. Am Montag beschloss meine Lehrerin kurzerhand nach der Lunchbreak doch erstmal eine halbe Stunde Probe-Assessment einzuschieben und dann war während meiner Session auch noch Feueralarm-Probe. Am Mittwoch sollte ich den ganzen Nachmittag bekommen, aber auch hier wurde kurzerhand wieder alles umgeworfen und sie wollte lieber raus und Sport machen. Ganz vergessen hat sie mich aber nicht, denn als wir wieder rein kamen schickte sie um 14:37 auf einmal vier Kids zu mir um Deutsch zu machen. Um 15 Uhr habe ich Feierabend, also wieder nur schnell durchgehetzt. Am Donnerstag blieb gar keine Zeit, dafür dann aber der komplette Freitag, also auch vormittags. Das war deutlich entspannter und ich habe auch mal alles geschafft, was ich geplant habe.

Außerdem bin ich zum richtigen Praktikanten befördert worden. Am Mittwoch vor der Matheprüfung durfte ich eine Stunde lang Bleistifte anspitzen, womit ich mir Blasen an den Fingern geholt habe. Am Donnerstag während der Prüfung war es meine Aufgabe, zwei Bücher komplett zu kopieren. Allgemein schickt sie mich nun öfter zum Kopierer; normalerweise schickt sie sonst Kinder onder die Assistenten.

Was ist sonst seit dem letzten Beitrag passiert? Meine Schweste hat mir ein Paket mit Aufmunterungsnahrung geschickt – Danke nochmal! 🙂 Auf dem Weg zur Schule wurde ich von einer Möwe fekal angegriffen, was sich auf Sakko, Hemd und Schuh sichtbar machte. Und ich habe den Versand von DVD-Serienboxen für mich entdeckt. Angis Eltern kamen vergangenen Sonntag, was sehr wohltuend war. Witzig war als ihr Mum am Fenster stand und erzählte, dass Schnee im Regen mit drin sei und wir es ihr nicht wirklich abnehmen wollten, um das mal vorsichtig zu formulieren. Am nächsten Morgen kam unser Schulleiter in das Lehrerzimmer und sagte, es sei der kälteste Maitag seit Beginn der Wetteraufzeichnung gewesen und in Teilen des Landes habe es auch geschneit. So is dat hier in Wales!

1 bis 12Am Montag geht es nach der Lunchbreak nach Haverfordwest, wo uns unsere Professorin mit allen Leuten hier in der Gegend zusammenbringt. Hoffentlich wird dies sinnvoller als all die „Vorbereitungs“seminare in Wuppertal. Denn ernsthaft, ich finde es doof, dass ich dadurch einen nachmittag für Deutschgruppen verliere. Im Laufe der Woche möchte ich den Kids nämlich die Zahlen von 1 bis 12 beibringen. Aber mein Programm specke ich besser mal ab, damit ich auch wirklich alle Schüler vor den Ferien noch durch den zweiten Lauf bringe. Am Freitag geht es dann nach Cardiff, wo wir übernachten werden. Am Samstag fliegen wir dann für eine Woche zurück in die Zivilisation nach Deutschland.

Und noch ein kleines Zitat zum Abschluss von einem Schüler, der sich oft daneben benimmt (in meinen Augen ist er einfach unterfordert) und daher (auch von mir) oft ermahnt und im Auge behalten werden muss nach der ersten Deutsch-Session: „Now I like you!“

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