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Die willkommene B7-Sperrung: Wenn Unternehmen wie das Spielzeugparadies Willy Müller & Söhne scheitern

Bald ist Halbzeit: Im vergangenen Sommer sperrte die Stadt Wuppertal die B7 im Herzen von Elberfeld, um den dort längst überfälligen Umbau des Döppersbergs zu starten und damit anstelle einer Harnröhre ein modernes Tor zur Stadt zu schaffen. Händler, die offenbar ausschließlich auf PKW-Kunden setzen, stöhnen, unverändert voll ist es in Elberfeld aber in der Regel trotzdem. Doch als Begründung des eigenen Scheiterns kann die B7 dann natürlich doch herhalten, wie aktuell der Fall vom „Spielzeugparadies Willy Müller & Söhne“ zeigt.

Ich kenne das Spielwarengeschäft aus der Kindheit noch gut. Vor zwanzig Jahren ging es oft dorthin, wenn es um Spielzeug ging – und vor allem auch für meinen Playmobil-Adventskalender, wovon es die aktuellste Ausgabe stets nur dort gab, während andere Läden das Vorjahresmodell als neu verkauften. Dafür bewegte man sich auch mal kurz raus aus dem Zentrum und wanderte in eine kleine, dunkle Seitenstraße, um dort durch den Hintereingang in den verwinkelten Laden zu gehen. Sonst gab es für Spielzeug in meiner Erinnerung ja ohnehin nur die große Spielzeugabteilung im Keller des Hertie und ein bisschen was bei Kaufhof.




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Seitdem hat sich viel gewandelt. In der Rathaus-Galerie gibt es einen riesigen Toys R Us. Hertie ist zwar lange Geschichte, doch Spielwaren gibt es mittlerweile wie selbstverständlich auch beim Buchhändler Thalia und selbst Rossmann als Drogeriemarkt ist auf den Spielwarenzug ja aufgesprungen. Und dann ist da natürlich noch dieses böse Internet, das Käufer anlockt und die Spielwaren einfach gleich nachhause liefert.

So sehr sich der Markt in den vergangenen Jahrzehnten weiterentwickelt hat, so sehr stagnierte Willy Müller & Söhne. Vor zwei Jahren war ich nach Urzeiten noch einmal dort. Wie gesagt, der Laden ist fernab der Fußgängerzone in einer düsteren Seitenstraße so versteckt (der Haupteingang an der Luisenstraße ist noch ferner), an ihn denke selbst ich als Einheimischer nur selten – als Zugezogener oder Auswärtiger wird man von Willy Müller & Söhne vermutlich noch nie etwas gehört haben. Im Laden selbst war ich erschrocken. Der Laden ist noch immer so, wie ich ihn aus Kindheit kenne. Modernisiert wurde offenbar nie etwas, wenn ich meiner kindlichen Erinnerung vertraue. Alt sieht es definitiv aus, die Leuchtreklame ist ebenfalls völlig aus der Zeit gefallen – und die Preisvorstellungen ohnehin. Für mich war klar, dass es keinen Grund gibt, dort überhaupt noch hinzugehen.

Jetzt droht man öffentlichkeitswirksam, den Laden noch vor Weihnachten zu schließen und nur noch bis Oktober die Entwicklung abzuwarten. Verantwortlich macht man wie leider so oft nicht die eigene Fehlleistung, sondern die Stadt und die Sperrung der B7. „Die Sperrung der B7 habe die Situation noch einmal zusätzlich verschärft“, heißt es so schön in der Online-Ausgabe der WZ (Hervorhebung von mir), um 30 Prozent sei der Umsatz zurückgegangen. Oder anders gesagt: Es lief auch vorher keineswegs mehr rosig, nur jetzt hat man endlich einen Verantwortlichen für das eigene Scheitern gefunden.

Vom Internet haben die Müllers auch schon gehört. „Man habe zwar auch im Internet seine Aktivitäten verstärkt, aber damit den negativen Trend nicht mehr aufhalten können“, heißt es in der WZ. Und bitte, schaut euch an, was das Spielzeugparadies Willy Müller & Söhne als Verstärkung der Internetaktivitäten betrachtet: Dort steht unter „Angebote“ lediglich, dass man an einem Online-Shop arbeite und verweist auf den Onlineshop des Partners Vedes sowie einen stümperhaften ebay-Shop. Dort gibt es derzeit ganze zwanzig Angebote. Ja, die Müllers haben das Internet für sich entdeckt. Das überzeugt sicher viele Kunden. Online betreiben die Müllers leider genauso wenig ein Paradies wie sie es im Laden nach heutigen Standards tun.

Vor acht Jahren schloss bereits Zweirad Müller auf der anderen Straßenseite. Vermutlich war auch daran schon die B7-Sperrung schuld.

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