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Die kleinen Pannen der neuen „Tagesschau“

© NDR/ARD

Am Osterwochenende hat ARD-aktuell sich selbst ein Geschenk gemacht und nach vielen Problemen endlich das neue Nachrichtenstudio bezogen. Fehlerfrei sollte der Betrieb sein, bevor man das Studio wechselt. Das sollte nun der Fall sein. Und doch gibt es hier und da noch immer Probleme mit der neuen „Tagesschau“.

Zunächst einmal: Ich finde das neue Studio toll! In den gesprochenen „Tagesschau“-Ausgaben wirkt es zwar noch sehr steif, in den moderierten Formaten am Nachmittag und in den Magazinsendungen macht das neue Studio aber einen tollen Eindruck. Die Musik ist gewöhnungsbedürftig, aber hat nach ein paar Tagen auch etwas.

Erstaunlich finde ich dennoch, wie viele Probleme es offenbar doch noch mit dem neuen Studio gibt. Erstaunlich, weil diese ja einst der Grund für die enorme Verzögerungen waren. Erst wenn alles perfekt funktioniert, wollte ARD-aktuell den Wechsel des Studios vollziehen. Hat man am Ende dann aber doch irgendwann einfach nur die Geduld verloren?

„Für uns war klar: Probieren und Üben im Echtbetrieb würde es bei der Tagesschau nicht geben. Erst wenn alle Systeme fehlerfrei und zur völligen Zufriedenheit laufen, wollten wir auf Sendung gehen. Dies ist jetzt der Fall – dank intensiver Arbeit des Grafiksystem-Herstellers, der Produktion und der Redaktion von ARD-aktuell.“
— Kai Gniffke, Erster Chefredakteur ARD-aktuell

Tagesschau - Jan Hofer ist irritiertGleich am Karsamstag gab es eine größere Panne und das gerade einmal eine Stunde, nachdem die erste Sendung aus dem neuen Set startete. Die Kurzausgabe um 21 Uhr auf Tagesschau24 lief ohne Ton. Das fiel auch einem sichtlich verwirrten Jan Hofer auf, der dann aber dennoch gewohnt die Nachrichten verlas – es hörte nur eben keiner. Die Panne hat es schnell auf YouTube geschafft.

Während die „Tagesthemen“ dann fehlerfrei liefen, gab es in der ersten Nachtausgabe der „Tagesschau“ in der Nacht von Sonntag auf Montag schon wieder Probleme. Der Vorspann begann sofort mit dem Gong und der Logo-Animation, es gab also keine Uhr etc. Dann ging es aber nicht ins Studio, sondern der Bildschirm war auf einmal komplett weiß. Erst jetzt setzte der reguläre Vorspann mit Uhr noch einmal ein. Diesmal klappte dann auch der Einstieg in die Sendung normal. Nur das Dauerlogo in der unteren Ecke war, wohl nach dem ersten Vorspann programmiert, etwas früh dran und schon beim zweiten Vorspann zu sehen.

Tagesschau - Ina RuckAm Montag gab es in meinen Augen auch einen kleinen Fehler bei der „Tagesschau“ um 20 Uhr. Am Ende ihres Berichts durfte Ina Ruck noch die kritische Lage in der Ukraine kommentieren. Falsch war in diesem Beitrag dann die Bauchbinde. Eingeblendet wurde ihr Name nicht im schönen, kompakten neuen Design. Stattdessen wurde die hässliche Variante genommen, die über die komplette Breite geht und übertrieben formuliert fast ihr Kinn abschnitt. Diese kommt eigentlich nur bei Tagesschau24 zum Einsatz und gehört nicht in die Hauptausgabe. Und auch im ARD-Infokanal wird sie nur genutzt wenn Beiträge der DW übernommen werden, um die eigenen Einblendungen der DW zu überblenden. Was auch nicht gerade die schönste Lösung ist.




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Tagesschau24 - Falscher BildausschnittWirklich erstaunlich finde ich den Betrieb von Tagesschau24, der alles andere als rund läuft. Einmal davon abgesehen, dass ich es kritisch finde, wie viele aufgezeichnete Stücke dort mittlerweile laufen (das war aber auch vor Ostern bereits lange so), funktioniert hier noch längst nicht alles. Am Dienstag hakte offenbar die Übergabe von der 16-Uhr-„Tagesschau“ im Ersten zur Tagesschau24-Strecke; jedenfalls wurde lange nur die Studiototale gezeigt. Das sieht zwar nett aus, wenn der Tagesschau24-Moderator rein kommt und Susanne Holst das Studio verlässt. Aber fast zwei Minuten und dann ein sehr abrupter Schnitt auf Michail Paweletz ohne Intro: Ich bezweifle, dass dies beabsichtigt ist. Zumal danach auch die Kamera offenbar nicht den richtigen Bildbereich eingefangen hatte: Das Hintergrundbild nimmt nicht die komplette Fläche ein, der blaue Textbalken hat an der linken Seite eine Stufe.

Tagesschau - Alte GrafikKurz vor Voll gibt es bei Tagesschau24 immer noch Wetterkarten und Temperaturtafeln. Die sind weitestgehend auch im neuen Design, kommen gelegentlich aber auch ohne „Tagesschau“-Button unten links aus. Das ist nebensächlich. Die Temperaturtafeln mit Live-Bild aus Frankfurt sind aber noch immer in der alten Optik. Auch an der Frankfurter Börse ist der Wandel der „Tagesschau“ offenbar noch nicht angekommen, denn Grafiken sind noch immer im alten Stil, wie hier in der 17-Uhr-„Tagesschau“ vier Tage nach dem Redesign. Dort verdeckt das leicht transparente neue „Tagesschau“-Dauerlogo übrigens nur halb den alten Schriftzug.

Tagesschau - Jens Riewa mit ProblemEtwas in Panik ist unterdessen am Mittwochmorgen Jens Riewa geraten. Auch hier scheint etwas nicht funktioniert zu haben – zumindest drückte Riewa, als die Kamera die Endposition bereits erreichte, wild irgendwelche Knöpfe am Pult. Dabei verpasste er komplett seinen Einstieg in die Sendung um 9 Uhr. Focus Online ließ sich die Panne bestätigen: Riewa hat den Teleprompter-Knopf nicht fest genug gedrückt.

Tagesschau24 klemmtKommen wir wieder zu Tagesschau24, wo es offenbar um 18 Uhr größere Probleme mit der Technik gab. Zur vollen Stunde wurde nicht ins Studio geschaltet, stattdessen wurden weiter die Wetterkarten im Wechsel eingeblendet. Plötzlich gab es dann wieder die große Temperaturen-Karte aus dem zuvor gesprochenen Wetterbericht, aber es tat sich nichts. Auch zu hören gab es nun nichts mehr. Um 18:01 Uhr wurde dann zumindest auf die Intro-Uhr geschaltet, ehe es siebzehn Sekunden später wieder mit Musik hinterlegte Wetterdaten im alten Design mit Frankfurt-Webcam gab. Dann gab es wieder kurz die Uhr, ehe wieder auf Wetterkarten gewechselt wurde. Mit sehr abgehacktem Intro ging es dann doch reichlich verspätet zu Ina Böttcher ins Studio, die die Zuschauer noch zu „Nachrichtem im Viertelstundentakt“ begrüßen durfte.

Tagesschau24 - Ina BöttcherAber auch hier ging es nicht problemlos weiter. Nachdem der erste Beitrag „Kiew will gegen Separatisten vorgehen“ noch fehlerfrei über die Bühne ging, hakte das System im Anschluss. Ina Böttcher begrüßte die Zuschauer erneut. Und erneut lief die Anmoderation und der Beitrag zu Kiew und den Separatisten. Tagesschau24 ist mittlerweile eben ein Konservensender, nur auffallen sollte es normalerweise nicht. Über eine Minute lang gab es anschließend außerdem nur das nebenstehende Standbild zu sehen, als der Beitrag zu den deutsch-russischen Gesprächen samt Anmoderation noch einmal wiederholt werden sollte – die Technik aber wieder streikte und einfror. Dass mittlerweile weite Strecken bei Tagesschau24 voraufgezeichnet sind war dann auch eindrucksvoll zu sehen, als von der einen auf die andere Sekunde Ina Böttcher vollkommen kommentarlos wieder zu reden begann und auch das Bild im Hintergrund ein neues war. Es wurde halt nicht live moderiert, sondern einfach nur die nächste Aufzeichnung eingespielt.

Der Wechsel ins neue Studio war überfällig und gut. Die ARD hat ein wirklich tolles Studio mit vielen Möglichkeiten. Dass es aber nach so langer Vorlaufzeit und dem eigenen Anspruch, fehlerfrei zu senden, gleich so viele kleinere Pannen gab, finde ich erstaunlich. Vor allem bei Tagesschau24, wo ganz nebenbei der Newsticker von vielen Bildschirmen und selbst vom Livestream abgeschnitten wird, habe ich manchmal den Eindruck, dass die Probe hier etwas zu kurz gekommen ist. Auch ein „Tagesschau“-Studio muss sich eben erst einspielen. Und das tut es leider auch erst im on-air-Betrieb.

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